3 Wiki = nachhaltig


Zu Beginn war die Skepsis groß und Wikipedia wurde - insbesondere in der Schule - als unseriöses Mitmach-Projekt verteufelt, es war gleichbedeutend mit zweitklassiger Qualität. Die unkomplizierte Art aber, in der auf Wikipedia flugs eine Formulierung geändert oder ein Sachverhalt ergänzt werden kann, erwies sich jedoch langfristig als Segen: Fehler werden über die Zeit von der "Community" nach und nach getilgt, Artikel immer und immer wieder aktualisiert und erweitert. Das in einem Wiki dokumentierte Wissen ist "fluide". Auf der anderen Seite wurden Schutz-Mechanismen eingeführt. So wurde etliche Artikel, die immer wieder Opfer von Vandalismus wurden - ebenso wie mancher Störenfried - gesperrt. Und Änderungen von nicht-angemeldeten Benutzern müssen zunächst von erfahrenen Benutzern gesichtet werden, bevor sie im Artikel erscheinen.

Interessant ist auch der Aspekt der Dauerhaftigkeit. Viele Informationen auf Webseiten, z.B. von Städten und Gemeinden oder von Vereinen, sind nach wenigen Jahren wieder spurlos aus dem Netz verschwunden. Informationen, die es in die Wikipedia geschafft haben, bleiben. Und sind so auch für Menschen, die keinen leichten Zugang zu einer Uni-Bibliothek haben, jeder Zeit verfügbar.

Wie viele gedruckte Bücher hingegen erfahren eine zweite Auflage? Und wie oft sind selbst in einer Neuauflage die alten Fehler nicht berichtigt?


3.1 Fehler in gedruckten Lexika und in Büchern

Natürlich gibt es ebenso in Büchern und auch in gedruckten Lexika Fehler. Wir stellen hier einige mehr oder weniger prominente Beispiele zusammen. Naturgemäß enthält der zugehörige Wikipedia-Eintrag inzwischen jeweils die korrekte Angabe.

Quellen
[Rhein] Der Rhein wurde 50 Jahre lang in Lexika wie Brockhaus und Knaur und auch in zahlreichen Veröffentlichungen von Bundesbehörden als etwa 90 km zu lang angeben. Besonders pikant dabei, dass auch dieser Fehler sich durch Abschreiben verbreitete.
Interessant ist auch die Diskussion auf Wikipedia darüber, ob die Messung von Herrn Kremer schon Beleg genug ist, um die Angabe zu übernehmen.
Quelle: Rhein kürzer als gedacht. Interview von Berit Uhlmann mit Bruno Kremer. Süddeutsche Zeitung, 27. März 2010
[Ernst Günter Herrmann] Der offizielle Skulpturenführer der Stadt Heilbronn nennt einen 'Günter Ernst Herrmann' als Künstler einer Granitskulptur in der Bahnhofstraße, die tatsächlich der Künstler Ernst Günter Herrmann schuf. Es wurden also die Vornamen vertauscht. Dadurch entsteht Verwechslungsgefahr mit dem Intendaten Günter Herrmann.
Quelle: Gabriele Holthuis: Skulpturenstadt Heilbronn. Hrsg. Städtische Museen Heilbronn, Heilbronner Museumskatalog Nr. 60, Heilbronn, 2009 (1. Auflage: 1996)
[Gespaltenes Tor] Von der Skulptur 'Gespaltenes Tor' von Volker Bartsch heißt es in der Monographie "Volker Bartsch - Bildhauer, Maler ċ Grafiker" (Hrsg. BHF-Bank, Frankfurt am Main, 2008) auf Seite 290, sie sei von 1989, auf Seite 257, sie sei von 1991. Tatsächlich wurde sie 1989 sowohl gebaut als auch aufgestellt.
Quelle: persönliche Kommunikation mit dem Büro Volker Bartsch (2009).

3.2 Fehler auf Webseiten

Auch Webseiten enthalten Fehler. In Wikipedia findet sich demgegenüber oft die korrekte Angabe - wohl nicht zuletzt deshalb, weil ein Text in einem Wiki sich kostenlos und ohne technisches Know-How korrigieren lässt.

Quellen
[Hannes Forster] Hannes Forster, Künstler, wurde 1958 in Tuttlingen / Baden-Württemberg geboren - so steht es auf seiner eigenen Homepage. Auch die Galerie kunstraumno.10, Mönchengladbach, nennt dieses Jahr. Wer jedoch mit ihm in persönlichem Kontakt steht, weiß, dass er tatsächlich Jahrgang 1955 ist. Dieses Jahr findet man denn auch auf den Seiten




Dr. Emden-Weinert created: 2015/07/11, last changed: 2019/11/02